Oper im Herzen
Unsere Position.
Nicht berücksichtigte Argumente/Berechnungen zu den Varianten A - E ZBB
Zum Standort der Oper
Zum Standort Werkstätten Beuel
Zum Standort Schauspiel Bad Godesberg
1. 1. Die Risiken einer Sanierung der bisherigen Oper müssen explizit und gründlich ermittelt werden. Falls die Nicht-Sanierbarkeit (in Bezug auf Zeit und Kosten) zutrifft, scheidet die Variante A (Erhalt der Oper) aus.
2. 2. Die Sichtbarkeit einer Oper für die Beethovenstadt Bonn ist von solch großer Tragweite,
in ihrer städtebaulichen Bedeutung, ihrer nachhaltigen Langzeitwirkung und im Hinblick auf die überregional sichtbare Standort-Attraktivität für Wirtschaft, UN, Bundespolitik und Universität,
dass sie nicht zuvörderst nach Kassenlage entschieden werden kann.
3. 3. Die Stadt verspricht: Für die Nachnutzung des dann freiwerdenden Grundstücks der Oper … eröffnet sich für Bonn die Perspektive an dieser Stelle sowohl eine Öffnung zum Rheinufer als auch eine neue hochwertige städtebauliche Komponente zu entwickeln.“
Um zu verhindern, dass hier eine gefährliche Brennpunkt-Brache entsteht, müsste das im gleichen dringlichen Zeitfenster entschieden werden.
Ganz abgesehen davon, dass es bisher keine Idee für eine „hochwertige städtebauliche Lösung“ gibt, dürfte diese einen zusätzlichen dreistelligen Millionenbetrag verschlingen.
4. Das Unsichtbar-Machen der Fertigbau-Oper hinter Backstein-Kulissen in einer Hinterhof-Situation ist ein Schritt zum Bedeutungsverlust für die Stadt. – Ein ohnehin schon unsichtbares Haus kann leichter (nach Kassenlage) dicht gemacht werden.
5. Die Kosten der massiven notwendigen Infrastruktur-Veränderungen in Beuel (verkehrliche Erreichbarkeit und Standort-Attraktivität) sind in der bisherigen Kalkulation nicht einbezogen.
3. 6. Sobald Oper, Schauspiel, Pantheon (und vielleicht auch noch die Bühnen „Werkstatt“ und „Lampenlager“) am gleichen Abend spielen, was nicht zu verhindern sein wird, führen An- und Abfahrt von +/- 2000 Besuchern zu heillosen Staus. Das vorgesehene Parkhaus (als einzige verbleibende Parkfläche) bietet für max. 200 PKWs Platz.
4. 7. Für die Feuerwehrstation auf dem Gelände muss deshalb ein anderer Standort gefunden werden.
5. 8. Große Teile des bisherigen Geländes stehen unter Denkmalschutz und müssen nach bisherigem Stand denkmalgerecht saniert werden (= ca. 70 Mio!), um weiter nutzbar zu sein; es sei denn, der Denkmalschutz wird aufgehoben. Dann könnten für max. 10 Mio (eher weniger) neue Werkstätten gebaut werden.
9. Die Nachnutzung des Schauspiels in Bad Godesberg geht von falschen Voraussetzungen aus: Niemand in der freien Szene kann ein Haus übernehmen, das
a. einen Sanierungsstau von mind. 52 Millionen Euro zuzgl. 19 % Mwst. hat.
b. nur einen für die freie Szene mit 440 Plätzen viel zu großen Saal hat (benötigt und sinnvoll wären mehrere kleine Säle mit 60 – max. 200 Plätzen; Ein Umbau dafür wäre viel zu kompliziert und teuer, bzw. ist architektonisch nicht machbar).
c. für seinen Betrieb angestelltes Fachpersonal, insbesondere hinsichtlich der Technik benötigt.
2. 10. Ein Verzicht auf einen attraktiven Spielbetrieb im Schauspielhaus Bad Godesberg ist für die Godesberger Innenstadt nicht zu verkraften.
11. Für Interimsspielstätten können preisgünstige Lösungen gefunden werden: Mit der Perspektive einer überschaubaren Bauzeit wäre das Publikum sicher bereit (ähnlich wie bei BOB und Beethovenfest, die jahrelang auf ihren Konzertsaal verzichten mussten) zur kreativen Nutzung vieler vorhandener Spielorte. Eine Zeltlösung (siehe Koblenz) wäre dazu eine kostensparende Ergänzung.
----------------------------------------------------------------------------------
Zur mitgeteilten aktuellen Beschlussfassung des Deutschen Werkbundes NW, dass die Oper als bedeutendes Baudenkmal der Nachkriegsgeschichte erhalten und unter Denkmalschutz gestellt werden müsse, Antwort von Solveig Palm per Mail am 27. März 26
Vielen Dank für Ihre Mitteilung. Als erstes möchte ich sagen, dass ich mit der Bonner Oper seit 40 Jahren aufgewachsen bin, dass ich den Innenraum hoch gelungen finde, dass auch die äußere Erscheinung, wiewohl sie mir in ihrem Kubismus weder als Ausdruck dramatischer oder musikalischer Künste gelungen scheint, sicherlich ein typisches Baudenkmal ihrer Zeit ist. Als Kunsthistorikerin bin ich selbstverständlich auch prinzipiell eine große Freundin des Denkmalschutzes. Allerdings nicht eines absoluten Denkmalschutzes, der jede Bauruine wegen ihrer Zeitzeugenschaft erhalten muss. - Dieses Etikett für die Bonner Oper klingt natürlich fürchterlich, aber in der Tat sind sich die Fachleute inzwischen einig, dass die Bonner Oper nicht nach heutigen Vorschriften sanierungsfähig ist, selbst unter der Prämisse, dass es keinen Denkmalschutz gibt.
Wenn es sich bei diesem Gebäude nun um ein Denkmal handeln würde, ähnlich wie die Ruinen der Akropolis, auf die sich noch immer die Aufmerksamkeit und Besucherströme der ganzen Welt richten, obwohl sie keine kultische Funktion mehr hat, hätten Sie jedes Recht, den Denkmalschutz über funktionale Fragen zu stellen.
Im Falle der Bonner Oper trifft aber das zu, was wir bei der Sanierung der Kölner Oper und auch der Beethovenhalle schmerzhaft erfahren mussten: eine denkmalgerechte Sanierung steht in keinem Verhältnis zu den heutigen funktionalen Anforderungen, insbesondere nicht im Hinblick auf die exorbitanten zeitlichen und finanziellen Risiken, die Kommunen in ihren Haushaltsnöten nicht mehr verantworten können. Und wer würde die Behauptung wagen, dass nicht wegen der Aufführungen, sondern wegen der architektonischen Hülle je Besucherströme nach Bonn gelenkt würden? Ich bin eine große Freundin des Bonner Opernhauses, aber mehr noch dessen, wofür es gebaut wurde: nämlich die Präsentation künstlerischer Meisterwerke.
Gerade der Werkbund sollte doch auch dem Fanal "form follows function" verpflichtet sein. Den Werkbund hätte es nicht gegeben, wenn die dort versammelten Künstler nicht auch den berechtigten Drang gehabt hätten, das Alte nicht mehr Brauchbare zu überwinden und neue Formen zu finden. Die Erhaltung von funktional nicht mehr nutzbaren "Hüllen" kann nur in Ausnahmefällen Selbstzweck sein.
Wie Sie sich denken können, würde ich 1000 mal lieber die bestehende Oper zukunftsfest machen, als irgendwo an der Peripherie in einer Hinterhof-Situation eine funktionale Baracke bauen zu müssen. (übrigens in einer denkmalgeschützten Umgebung, die in einem so katastrophalen Zustand ist, weil sie nur "denkmalgerecht" saniert werden darf, wofür seit Jahrzehnten das Geld fehlt. Auch hier wird das "form follows function" ins Gegenteil pervertiert). Es nützt aber leider nichts, sich der Realität zu verweigern.
Mit freundlichen Grüßen
----------------------------------------------------------------------------------
in ihrer städtebaulichen Bedeutung, ihrer nachhaltigen Langzeitwirkung und im Hinblick auf die überregional sichtbare Standort-Attraktivität für Wirtschaft, UN, Bundespolitik und Universität,
dass sie nicht zuvörderst nach Kassenlage entschieden werden kann.
Um zu verhindern, dass hier eine gefährliche Brennpunkt-Brache entsteht, müsste das im gleichen dringlichen Zeitfenster entschieden werden.
Ganz abgesehen davon, dass es bisher keine Idee für eine „hochwertige städtebauliche Lösung“ gibt, dürfte diese einen zusätzlichen dreistelligen Millionenbetrag verschlingen.
EINE OPER DER ZUKUNFT FÜR BONN
vollständiges Interview General-Anzeiger mit Solveig Palm v. 12. März 2026:
- Wie positionieren Sie sich zur favorisierten Variante E (Neubau von Oper und Schauspiel am Standort Beuel)?
Ein merkwürdiger Tausch: Die angeblich so wichtige freie Szene soll eines der großen maroden Häuser übernehmen; Oper/Schauspiel dagegen verstecken ihren Neubau in kuscheliger Nähe zur off-Szene, aber ohne echte Kooperation. Ob die einzelnen Kostenpositionen in den verschiedenen Varianten konsequent durchdekliniert sind, lässt sich erst nach genauerer Analyse des über 300seitigen Dossiers der Stadt einschätzen. Ausschlaggebend für den Vorschlag der Verwaltung war aber offensichtlich, dass es möglichst billig werden soll. Doch was im ersten Moment günstig aussieht, kann auf längere Sicht teuer werden. Seit langem wird beklagt, dass die Stadt ihr internationales Alleinstellungsmerkmal als Beethovenstadt kaum vermarktet. Nach der mageren Auslastung der überteuerten Beethovenhalle droht nun mit der „Unsichtbarmachung“ der Oper ein weiterer Abstieg der an sich mit überregional bedeutenden Häusern und Institutionen für den internationalen Tourismus hoch attraktiven Stadt. Doch wo bleibt das überregionale Publikum? Die nur äußerliche Nähe zur Off-Szene mag sympathisch aussehen, hilfreich für die Standort-Attraktivität für Wirtschaft und Tourismus ist sie nicht.
- Welche Vorteile sehen Sie in der Variante E? Welche Nachteile?
1.Eine Neubaufläche bietet im Prinzip die Chance, Oper in die Zukunft zu denken. Die technischen Möglichkeiten im Inneren sind für die ästhetische Weiterentwicklung der Gattung Oper in Zukunft von zentraler Bedeutung. Diese Vorteile würden aber umso wirksamer an einem zentralen, sichtbaren, gut erreichbaren Standort.
2. Sparsame Baukosten erzielt man hauptsächlich durch professionelle Bauplanung und -steuerung. Zugänglichkeit, Erreichbarkeit, gastronomisches Umfeld - all das ist in peripherer Lage nur durch zusätzliche Infrastruktur-Kosten zu erreichen.
3. Die Nutzbarkeit des Schauspielhauses für die freie Szene ist blanke Illusion, a) wegen des Sanierungsstaus, b) dem einen, viel zu großen Saal sowie c) des Bedarfs an technischem Fachpersonal für den Betrieb. Niemand aus der freien Szene, die dazu übrigens auch nicht gefragt wurde, kann sich das aufbürden. Vielmehr helfen würde es, wenn die Oper in die Lage versetzt würde, ihr bisher totes Kapital des gigantischen Fundus‘ (Kostüme, Requisiten, Möbel etc., aber auchihr kostbares technisches Know how) mit der freien Szene zu teilen. Auch eine „Werkstattbühne“ sollte in Zukunft der freien Szene zur Verfügung gestellt werden.
- Welche alternativen Varianten kämen Ihrer Meinung nach gegebenenfalls auch infrage?
Auf ein sichtbares Aushängeschild der weltweit bekannten Beethovenstadt darf nicht verzichtet werden. Die Oper gehört bestenfalls an den Rhein und ins Herz der Stadt, zur Not noch an den Standort Landesbehördenhaus, der gut sichtbar und erreichbar ist, noch über eine vorhandene Garage verfügt und auch für Fundus und Werkstätten reichlich Platz böte (im Übrigen überbaut werden könnte, ähnlich wie die „Elphi“). Vorzuziehen wäre gleichwohl der innerstädtische Standort, da hier ohne die Oper tatsächlich eine kulturelle Verödung droht. Solang es für das Schauspielhaus keine realistische kulturelle Nachnutzung gibt, sollte das Haus seine bisherige Funktion behalten. Durch den Verzicht im Neubau könnten hier Mittel für die Sanierung frei werden. Es wäre übrigens für klein besetzte Opernproduktionen durchaus als Interimsspielstätte geeignet.
------------------------------------------------------------------------------
Offener Brief v. 27. Feb. 2026 zum Thema Oper der Zukunft:von Solveig Palm
Armutszeugnis Oper: Beinahe hätte man sich gefreut: Es gibt einen Neubau der Oper, weil man sich letztlich doch der Erkenntnis beugen musste, dass eine Sanierung in jeder Hinsicht, zeitlich und finanziell, unkalkulierbarer ist als ein Neubau.
Aber leider kommt man gleich ins Stocken:
"die denkmalgeschützten Fassaden der Theaterwerkstätten mit integriertem Opern-Neubau... würden für die architektonische Qualität der Gesamtanlage sorgen". Oper als Teil der Werkstätten, weil diese - im Gegensatz zur Oper - unter Denkmalschutz stehen? Eine Backstein-Ecke von zweifelhafter Hübschheit mit seitlichem Schornstein als Gesicht der Oper?
Wedelt da der Schwanz mit dem Hund?
Man kommt aus den Fragezeichen gar nicht mehr heraus: Was darf man sich unter Holz-Modulbauweise vorstellen?
Die im GA-Artikel genannten Beispiele in München, Coburg und Kassel sind ausschließlich als Interimsspielstätten gedacht, weil eben diese Konstruktionen weder schön noch dauerhaft haltbar sind. (Allenfalls funktional überzeugt das Interimshaus in Kassel mit seiner Befreiung von der starren herkömmlichen Bühnen-Publikums-Hierarchie!) - Kann eine ehemalige Jutespinnerei mit Schornstein an der Peripherie eines Bonner Stadtteils jenseits des Zentrums wirklich das Gesicht eines Opernbetriebs werden?
Wer sich das ausgedacht hat, verabschiedet sich von dem, zu was Opernhäuser unseres Landes in den letzten Jahrhunderten erblüht sind: in ihnen kulminiert die komplexeste und aufwendigste Kunstform, die je entwickelt wurde, und die mehr Publikum anzieht, als jede andere Kunstform. Oper ist teuer, nicht weil Startenöre sich goldene Nasen verdienen, sondern weil an jedem Opernabend hunderte Menschen beteiligt sind, um diese Großkunstwerke lebendig zu machen.
Selbstverständlich muss man Wege finden, wie man diese Großmaschinerien besser für die freie Szene nutzbar macht; auch muss man darüber nachdenken, wie eine "Oper der Zukunft" aussehen kann, in der auch Werke des 21. Jahrhunderts ausverkauft sind. Die Finanzierung eines Orchester-, Sänger-, Chor- und Werkstätten-Betriebs wird auch in Zukunft den größten Brocken eines Kulturhaushalts verschlingen. Deshalb gehört ein solches Haus an die Stelle einer Stadt, die früher Tempel und Kirchen eingenommen haben: ein sichtbarer und selbstbewusster Standort im Herzen der Stadt. Beim Überdenken der städtischen Liegenschaften würden einem noch einige Varianten einfallen:
z. B.
- Integration der Werkstätten in einen Opernneubau und Verkauf des Beueler Geländes?
- Godesberger Schauspiel und/oder Stadthalle Godesberg als Interimsspielstätte?
- Nutzung des Landesbehördenhauses als Interimsspielstätte oder Werkstatt-Fläche oder Neubau-Standort?
Wirklich durchgerechnet erscheinen die bisherigen Varianten nicht, denn ein Weiterbetrieb des Godesberger Schauspiels für die freie Szene (die dazu gar nicht gefragt wurde) würde ja auch die vorherige Sanierung erfordern und kostet zusätzliches Geld im laufenden Betrieb. Außerdem ist der eine Saal mit über 400 Plätzen für die freie Szene viel zu groß.
Wollten wir nicht als "Beethovenstadt" sichtbarer werden?
Kann man, ja darf man einen so teuren Kulturbetrieb schamhaft an der Peripherie verstecken? Die Diskussion muss jetzt erst richtig losgehen: Die jetzt scheinbar billigste Variante (das war ja offenbar das ausschlaggebende Kriterium) kann sich langfristig als die teuerste erweisen, wenn Oper nicht mehr das sein darf, was sie sein kann: die schönste und größte Kunstform, in der sich die Komplexität unserer ganzen Gesellschaft spiegelt. Vielleicht gibt es schöne und haltbare Versionen von Holzmodul-Bauten, aber Oper als billiger Fertigbau versteckt hinter Backsteinruinen - das wäre ein buchstäbliches "Armutszeugnis".
-----------------------------
von Solveig Palm
Armutszeugnis Oper: Beinahe hätte man sich gefreut: Es gibt einen Neubau der Oper, weil man sich letztlich doch der Erkenntnis beugen musste, dass eine Sanierung in jeder Hinsicht, zeitlich und finanziell, unkalkulierbarer ist als ein Neubau.
Aber leider kommt man gleich ins Stocken:"die denkmalgeschützten Fassaden der Theaterwerkstätten mit integriertem Opern-Neubau... würden für die architektonische Qualität der Gesamtanlage sorgen". Oper als Teil der Werkstätten, weil diese - im Gegensatz zur Oper - unter Denkmalschutz stehen? Eine Backstein-Ecke von zweifelhafter Hübschheit mit seitlichem
Schornstein als Gesicht der Oper?
Wedelt da der Schwanz mit dem Hund?
Man kommt aus den Fragezeichen gar nicht mehr heraus: Was darf man sich unter Holz-Modulbauweise vorstellen?
Die im GA-Artikel genannten Beispiele in München, Coburg und Kassel sind ausschließlich als Interimsspielstätten gedacht, weil eben diese Konstruktionen weder schön noch dauerhaft haltbar sind. (Allenfalls funktional überzeugt das Interimshaus in Kassel mit seiner Befreiung von der starren herkömmlichen Bühnen-Publikums-Hierarchie!) - Kann eine ehemalige Jutespinnerei mit Schornstein an der Peripherie eines Bonner Stadtteils jenseits des Zentrums wirklich das Gesicht eines Opernbetriebs werden?
Wer sich das ausgedacht hat, verabschiedet sich von dem, zu was Opernhäuser unseres Landes in den letzten Jahrhunderten erblüht sind: in ihnen kulminiert die komplexeste und aufwendigste Kunstform, die je entwickelt wurde, und die mehr Publikum anzieht, als jede andere Kunstform. Oper ist teuer, nicht weil Startenöre sich goldene Nasen verdienen, sondern weil an jedem Opernabend hunderte Menschen beteiligt sind, um diese Großkunstwerke lebendig zu machen.
Selbstverständlich muss man Wege finden, wie man diese Großmaschinerien besser für die freie Szene nutzbar macht; auch muss man darüber nachdenken, wie eine "Oper der Zukunft" aussehen kann, in der auch Werke des 21. Jahrhunderts ausverkauft sind. Die Finanzierung eines Orchester-, Sänger-, Chor- und Werkstätten-Betriebs wird auch in Zukunft den größten Brocken eines Kulturhaushalts verschlingen. Deshalb gehört ein solches Haus an die Stelle einer Stadt, die früher Tempel und Kirchen eingenommen haben: ein sichtbarer und selbstbewusster Standort im Herzen der Stadt. Beim Überdenken der städtischen Liegenschaften würden einem noch einige Varianten einfallen:
z. B.
- Integration der Werkstätten in einen Opernneubau und Verkauf des Beueler Geländes?
- Godesberger Schauspiel und/oder Stadthalle Godesberg als Interimsspielstätte?
- Nutzung des Landesbehördenhauses als Interimsspielstätte oder Werkstatt-Fläche oder Neubau-Standort?
Wirklich durchgerechnet erscheinen die bisherigen Varianten nicht, denn ein Weiterbetrieb des Godesberger Schauspiels für die freie Szene (die dazu gar nicht gefragt wurde) würde ja auch die vorherige Sanierung erfordern und kostet zusätzliches Geld im laufenden Betrieb. Außerdem ist der eine Saal mit über 400 Plätzen für die freie Szene viel zu groß.
Wollten wir nicht als "Beethovenstadt" sichtbarer werden?
Kann man, ja darf man einen so teuren Kulturbetrieb schamhaft an der Peripherie verstecken? Die Diskussion muss jetzt erst richtig losgehen: Die jetzt scheinbar billigste Variante (das war ja offenbar das ausschlaggebende Kriterium) kann sich langfristig als die teuerste erweisen, wenn Oper nicht mehr das sein darf, was sie sein kann: die schönste und größte Kunstform, in der sich die Komplexität unserer ganzen Gesellschaft spiegelt. Vielleicht gibt es schöne und haltbare Versionen von Holzmodul-Bauten, aber Oper als billiger Fertigbau versteckt hinter Backsteinruinen - das wäre ein buchstäbliches "Armutszeugnis".
-----------------------------
Leserbrief von Boris Schafgans (19.3.26)
Auf der Webseite der Stadt heißt es: „Für die Nachnutzung des dann freiwerdenden Grundstücks der Oper unmittelbar am Rheinufer eröffnet sich für Bonn die Perspektive an dieser Stelle sowohl eine Öffnung zum Rheinufer als auch eine neue hochwertige städtebauliche Komponente zu entwickeln.“
Als „hochwertig“ wurde vor über 15 Jahren auch die geplante Neuerschließung und -bebauung des Viktoriakarrees gepriesen, die unter der vollen Regie der Stadt stattfinden sollte. Ich spare mir den Kommentar dazu. Am Ende war es jedenfalls ein Segen, dass es die Universität war, die den größten Teil des Geländes aufkaufte. Ob ein solcher Segen im Falle eines Verkaufs der Opernliegenschaft zu erwarten wäre, bezweifele ich. Vielmehr gehe ich davon aus, dass sie für eine halbe Generation als Brachland, sporadische Verfügungsfläche für niederschwellige Improvisationen und sozialer Brennpunkt mitten in der Stadt vor sich hinkümmern würde.
Als hätte die Oper nie zur Bonner Kernstadt gehört und als wäre die seit Generationen bestehende Identifikation mit ihrem Gebäude nichts wert, besagt die favorisierte Variante E, dass zwischen Rheingasse und Kennedybrücke eine Brache entsteht. Was soll hierhin kommen? Eine Grünfläche? Ein „Sportpark Mitte“? Das UNO-Hauptquartier? Der Plenarsaal des Bundestages? Ein Benko-Bau für die Stadtverwaltung? Ein Zoo? Ein Friedhof? Pützchens Markt? Ich bin bestürzt über die Empathielosigkeit und Brachialmentalität, mit der einer der signifikantesten Orte Bonns zur Disposition gestellt wird, als befände er sich auf totem Gelände am Stadtrand und als wären Architektur, Geschichte und Landschaft nur noch lästig.
Als „hochwertig“ wurde vor über 15 Jahren auch die geplante Neuerschließung und -bebauung des Viktoriakarrees gepriesen, die unter der vollen Regie der Stadt stattfinden sollte. Ich spare mir den Kommentar dazu. Am Ende war es jedenfalls ein Segen, dass es die Universität war, die den größten Teil des Geländes aufkaufte. Ob ein solcher Segen im Falle eines Verkaufs der Opernliegenschaft zu erwarten wäre, bezweifele ich. Vielmehr gehe ich davon aus, dass sie für eine halbe Generation als Brachland, sporadische Verfügungsfläche für niederschwellige Improvisationen und sozialer Brennpunkt mitten in der Stadt vor sich hinkümmern würde.
Was hier vorgeschlagen wird, ist nicht nur die Zerstörung eines großartigen identitätsstiftenden Bauwerks, sondern die Entkernung eines zentralen Stadtgebiets und Zerschlagung seiner gesamten organisch gewachsenen Infrastruktur. Variante E würde einen tiefen Einschnitt des Grauens bedeuten. Variante E ist die Vorprogrammierung des Abgrunds mit katastrophalen Auswirkungen. Am Ende - und dieses Ende wäre schon jetzt ganz nah - müsste das Grundstück im Eilflug verkauft werden. Was Variante E unter Vortäuschung von Preisgünstigkeit auslösen würde, wäre so oder so eine kostenverschlingende Dauerkrise in einem Ausmaß, das die Bonner Stadtpolitik jahrzehntelang nicht in den Griff bekäme: ein Viktoriakarree-Debakel im ganz großen Format. Was nutzen all die Kulturträume für Beuel, wenn dafür in der Innenstadt der blanke Horror ausbricht?
Meint der Oberbürgermeister es ernst, wenn er die Variante E als „Jahrhundertidee“ und das darin virtuell enthaltene Trümmergrundstück am Rhein bereits jetzt distanzierend mit einem „dort“ bezeichnet? „Dort muss etwas im Sinne der Bürger entstehen“. Ja, in wessen Sinn denn sonst? Im Sinne der Bürger wäre tatsächlich, wenn die aberwitzige Jahrhundertidee alsbald von der Diskussionsfläche verschwände. Wirkliche Jahrhundertideen waren die Entscheidungen der Stadt, 1922 das Boeselager-Areal zu erwerben, schon 1946 dafür zu sorgen, dass das zerbombte Grundstück für einen zentralen Kulturbau am Rheinufer freizuhalten ist und am 12. Dezember 1958 zu beschließen, dass darauf das Bonner Stadttheater errichtet wird.
Ich plädiere für die Beibehaltung des Gebäudes oder zumindest des Orts. Wenn die Bonner Bevölkerung dann einige Jahre ohne Theater und Oper in den gewohnten Spielstätten oder für eine gewisse Zeit sogar ohne oder nur mit eingeschränkten Spielzeiten auskommen müsste, behaupte ich, dass sie es überlebt und umso glücklicher würde, wenn sie anschließend ihr Haus am Rhein und an der Brücke wieder betreten könnte. Warum nicht als Mehrspartenhaus, wie es einmal gedacht war, unter Beibehaltung von Godesberg als Spielort, wenn auch nicht mehr als Hauptdomizil des städtischen Schauspiels? Und das Beueler Gelände bleibt so, wie es ist, und wird perspektivisch weiterentwickelt in Richtung Kultur, ob mit Interimsmodulen oder ohne. Über sie als Dauerlösung für ein künftiges Zentrum des Bonner Theaterlebens zu debattieren, versagt sich schon angesichts der unglaublichen Kehrseite der Variante E.
